Verfasst von: jumper55555 | Samstag, April 26, 2008

„Spickmich“ – Fluch oder Segen?

Hallo liebe Bloger!

Ich habe letzte Woche bereits mit Colince in Moodle über „Spickmich“ diskutiert (http://www.spickmich.de/). Dabei werden die Rollen sozusagen vertauscht. Hier können die Schüler ihre Lehrer bewerten, Kommentare zum Unterricht geben und Noten verteilen.

Was haltet ihr davon. Seht ihr dies positiv oder ist das eher schädlich für die Lehrer? Wenn ih Lust habt, schreibt einfach eure Meinung zum Thema.

Jens


Antworten

  1. Ich bin der Auffassung, dass sich jene, die bewerten, auch in der einen oder anderen Weise bewerten lassen sollten. Allerdings hege ich Zweifel, ob Spickmich dazu das richtige Mittel ist.

    Zum einen findet man dort vor allem extreme Meinungen als Bewertungen: Schüler, die einen Unterricht besonders schlecht fanden, oder Schüler, die einen Unterricht besonders gut fanden, schreiben Bewertungen. Diejenigen, die das Prädikat „ganz okay“ vergeben würden, machen sich größtenteils nicht die Mühe, ihre Einschätzung auf Spickmich zu hinterlassen. Dies führt sicherlich zu einigen Verzerrungen, die man auch durch die Maßnahme „die Bewertung wird erst ab so und soviel Stimmen angezeigt“ nicht unterbinden kann.
    Und selbst, wenn die Beurteilung einigermaßen angemessen ist, frage ich mich, was Schüler davon haben, wenn sie wissen, dass der Lehrer, den sie bekommen, „schlecht“ ist? Schließlich können sie sich (gewöhnlich) nicht aussuchen, von welchen Lehrern sie unterrichtet werden. Und das Schuljahr über müssen sie den Lehrer dann ertragen, unabhängig davon, wie mies seine Bewertung bei Spickmich ist. Andererseits spricht sich an einer Schule ja sowieso einschließlich vieler Übertreibungen herum, welcher Lehrer „toll“ und welcher „furchtbar“ ist; und durch Spickmich hat man es eben schriftlich, für alle sichtbar, die es sehen wollen.
    Und möglicherweise ist das der problematische Punkt: Eltern halten die Bewertungen bei Spickmich vielleicht für verlässlich und beschweren sich über die „schlechten Lehrer“ ihrer Kinder bei der Schulleitung. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen.

  2. Generell finde ich es gut, dass auch mal die Schüler die Lehrer bewerten können. Es ist auch wichtig zu wissen, was die Schüler über einen denken. Ich habe nach dem Blockpraktikum in der Hauptschule Bewertungsbögen in der Klasse verteilt (die Schüler sollten Fragen wie „was hat euch gut / nicht so gut gefallen usw. beantworten). Und da hat tatsächlich ein sehr lebhafter Junge, den ich ständig ermahnen musste, geschrieben, dass ihm nicht gut gefallen hat, dass ich ihm so wenig Strafarbeiten gegeben habe und er mir wünscht, dass ich noch strenger werde. Das fand ich total interessant, das hätte ich gerade von diesem Jungen nie gedacht, eher dass er das Gegenteil schreibt. Wenn man also mal so ein Feedback von den Schüler bekommt, ist das super und man weiß an was man noch arbeiten muss.
    Allerdings besteht die Gefahr, dass Schüler schlechte Bewertungen abgeben, nur weil sie wütend sind wegen einer schlechten Note oder einer Strafarbeit usw. Sind die Noten schlecht, ist der Lehrer Schuld. Das kann dann eine Woche später schon wieder ganz anders aussehen. Ich glaube, dass den Schülern einfach die nötige Objektivität fehlt, um jemanden zu bewerten.

  3. Meiner Meinung nach sollte sich bei der Bewertung von Lehrern unbedingt etwas ändern. Zu uns sind die Leute vom Oberschulamt zu älteren Lehrern nur gekommen, wenn es darum geht, dass dieser in einen höheren Dienstgrad (heißt das so?) kommt. Sonst habe ich da nie jemanden gesehen. Und bei einigen wär es echt nötig gewesen. Ich finde es kann einach nicht sein, dass ein Lehrer wirklich schlecht und ungeeignet ist, sei es jetzt fachlich, didaktisch oder menschlich, und er einfach so vor sich hinwurschteln kann.
    Ob Spickmich allerdings die Lösung für diese Probleme ist, bezweifle ich. Ich denke auch, dass manchen die nötige Objektivität fehlt. Auf der anderen Seite: Macht man Bewertungsbögen nur innerhalb der Schule und nicht öffentlich, kann man diese leicht unter den Tisch fallen lassen. Und die Leute vom Oberschulamt haben wahrscheinlich ganz andere Kriterien nach denen sie Lehrer bewerten. Deshalb finde ich es schon wichtig, dass auch die Schüler ihre Meinung äußern dürfen.

  4. Das meiste wurde ja schon geschrieben, ich frage mich aber immer, wie es die Leute so fänden, wenn sie auch in anderen Berufen offiziell bewertet würden.

    Wenn also der Steuerberater XY auf einer Seite seine Mitarbeiter bewerten würde und jeder könnte es nachlesen.

    Da würden wohl diejenigen als erstes aufschreien, die immer wieder auf die Lehrer schimpfen und finden, dass sie damit leben müssen, im Internet kritisiert zu werden.

    Generell finde ich aber eine Bewertung von Lehrern auch sinnvoll, ob diese öffentlich sein muss bezweifle ich allerdings.


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